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Allgemeine Informationen über Malawi
ÜBERBLICK
Bevölkerung13,2 Millionen (Deutschland (D): 82,3 Millionen)
Lebenserwartungca. 43,5 Jahre (2008, bei Männern und Frauen) (D: Frauen: 82, Männer: 77)
Kindersterblichkeit91 pro 1000 Lebendgeburten (2008)
Pro-Kopf-BIP280 USD (2008) (D: 41.509 EURO)
Alphabetisierungsrate64,1%
Landesfläche118.484 km², davon 24.208 km² Anteil am Malawi-See (D: 357.092 km²)
HauptstadtLilongwe (ca. 400.000 Einwohner)
LandessprachenChichewa, Englisch (Amtssprache)
Religionen82% Christen, 11% Muslime, 7% Traditionelle Religionen
Geographie

Malawi ist ein Binnenland mit knapp 120.000km², und liegt am drittgrößten See Afrikas, dem Lake Malawi, mit einer Größe von 24.000km². Der südliche Teil des Landes ist von Mosambik umgeben, während es im Westen an Zambia und im Norden an Tansania grenzt. Während die Grenze zu Mosambik in der Mitte des Lake Malawi verläuft und die beiden besiedelten malawischen Inseln Likoma und Chidzumulu zu Exklaven macht, verläuft die offizielle Staatsgrenze zu Tansania entlang des tansanischen Ufers.

Geschichte und Kultur

Die früheste nachweisbare Besiedelung durch den modernen Menschen (Homo sapiens) erfolgte durch Stämme der San. Nördlich von Lilongwe sind in den Höhlen zweier markant aus der Landschaft ragenden Berge aus Granitfels noch heute steinzeitliche Zeichnungen dieser Kultur von Jägern und Sammlern zu finden.

Auf malawischen Boden befand sich vor dem Zeitalter des Kolonialismus angeblich das Königreich der Maravi. Sklavenhandel von Ostafrika und Sansibar her und Stammeskriege beutelten die nördlichste Region. 1859 erreichte David Livingstone als erster Europäer den Malawisee. 1891 wurde Malawi britisches Protektorat, 1907 wurde dieses in die Kolonie Njassaland umgewandelt. Als die britische Regierung 1915 die Wehrpflicht für die Koloniebewohner anordnete, revoltierte die einheimische Bevölkerung unter dem Baptistengeistlichen John Chilembwe gegen die Fremdherrschaft. 1953 wurde Njassaland Mitglied der Zentralafrikanischen Föderation.

Am 6. Juli 1964 erlangte das Land unter Premierminister Hastings Kamuzu Banda als Malawi die Unabhängigkeit. Exakt zwei Jahre danach, am 6. Juli 1966, rief er die Republik aus und wurde erster Präsident des Landes und regierte an der Spitze der Malawi Congress Party (MCP). Seine Diktatur endete erst 1993 mit einem friedlich ablaufenden Referendum, welches 1994 in die ersten freie Wahlen und in eine Mehrparteien-Präsidialdemokratie mündete, deren Verfassung eine klassische Gewaltenteilung vorsieht.

Seit den ersten freien Mehrparteienwahlen und dem Inkrafttreten der neuen, an westlich-liberale Modelle angelehnten Verfassung im Jahre kann sich in Malawi erstmals ein freies kulturelles Leben entfalten. Getragen wird die neue Kulturszene wegen der Armut im wesentlichen von „Amateuren“. Eine freie und kritische Presse bestimmt das Medienbild. Besonders auf dem Land, wo 85 Prozent der Bevölkerung lebt, überwiegt noch afrikanische Kultur. Sie wird allerdings zunehmend durch Einflüsse westlicher Provenienz überlagert bzw. teilweise ersetzt. Folge ist vielfach eine Entwurzelung aus angestammter Tradition.

Situation heute

Malawi ist innen- und außenpolitisch stabil in einer unruhigen, von Krisen gekennzeichneten Region. Ernsthafte Konfliktpotenziale existieren weder zu den Nachbarländern noch zu anderen Staaten. Die Bekämpfung von Armut und Unterentwicklung sind grundlegende innenpolitische Ziele. Dabei spielen die Sicherung der Ernährung, Gesundheitsversorgung und die Verbesserung des Bildungsniveaus sowie die Liberalisierung der Wirtschaft wichtige Rollen. Zur verstärkten Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft ist Malawi finanziell auf absehbare Zeit nur sehr eingeschränkt in der Lage und daher von ausländischer Hilfe abhängig.

Die Manipulation willfähriger staatlicher Institutionen (wie z.B. Polizei) und der Rückgriff auf Gewalt sind Teil der angewandten Praktiken ebenso wie die im bitterarmen Malawi weit verbreitete Korruption und das überkommene Clan-Denken. Die Anti-Korruptionspolitik seit 2005 hat das Bewusstsein der Bevölkerung geschärft und erste Erfolge gezeitigt. Insgesamt haben sich Gewaltenteilung und demokratische Institutionen bewährt. Dabei spielt die freie und kritische Presse eine nicht wegzudenkende Rolle als „vierte Gewalt“.

1999 fanden die zweiten demokratischen Wahlen seit der Unabhängigkeit statt, die trotz vieler Unregelmäßigkeiten von internationalen Beobachtergruppen "im Großen und Ganzen als frei und fair" eingestuft wurden. Die Verfassung von 1995 sieht die Gewaltenteilung in Legislative, Exekutive und Judikative vor. Die Gewaltenteilung funktioniert in der präsidialen Mehrparteien-Demokratie relativ gut und wird durch spezielle Kontrollinstanzen wie Ombudsmann und Anti-Korruptionsbüro ergänzt. Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit sind ebenfalls verfassungsmäßig verankert.

Der Präsident (gleichzeitig Regierungschef) Dr. Bingu wa Mutharika der Democratic Progressive Party (DPP) besitzt aufgrund seiner direkten Wahl durch das Volk eine starke Stellung. Seine Regierung verfügt im Parlament über keine eigene Mehrheit. Die noch junge Demokratie bedarf der weiteren Konsolidierung ebenso wie weiterer Fortschritte in der Anwendung von Recht und Gesetz. Alle staatlichen Institutionen leiden unter gravierenden Finanz-, Personal- und Materialengpässen, die ihre Funktionsfähigkeit signifikant einschränken.

Wirtschaft

Malawi ist ein Agrarland mit dominierender Subsistenzwirtschaft. Mit ca. 280 USD Pro-Kopf-Einkommen gehört Malawi zu den ärmsten Ländern der Welt. Ressourcenarm, infrastrukturell unterentwickelt und bildungs- und ausbildungsschwach ist Malawi in extrem hohem Umfang auf ausländische Entwicklungshilfe angewiesen. Die Geberleistungen lagen in den letzten Jahren bei bis zu 30 Prozent des BIP. Bis zu 40 Prozent des laufenden Haushalts und über 80 Prozent des Entwicklungshaushalts sind geberfinanziert. Die Landwirtschaft dominiert mit ca. 80 Prozent der Beschäftigten und einem statistisch erfassten Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt von 39 Prozent (der tatsächliche Beitrag dürfte wegen der Subsistenzwirtschaft jedoch erheblich darüber liegen). Wirtschaftszweige wie Dienstleistungen, Bau, verarbeitende Industrie etc. stecken noch in den Kinderschuhen. Die verarbeitende Industrie in den vier Städten (Blantyre, Lilongwe, Zomba und Mzuzu) ist klein und international unbedeutend.

Herausforderungen
Malawi gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Wesentliche Ursachen der Armut sind die extreme Ungleichverteilung von Einkommen, mangelnde Gesundheitsversorgung und eine hohe Rate an HIV-Infizierten und AIDS-Kranken, hohes Bevölkerungswachstum bei geringer Lebenserwartung und Landknappheit, schlechter Bildungsstand und eine nur rudimentäre Wirtschaftsentwicklung außerhalb der Landwirtschaft.
Bildung
Größte Herausforderungen sind moderne Erziehung und Ausbildung. Dem vorhandenen guten Willen setzen Armut und fehlende Finanzen enge Grenzen. Die bereits auf diesen Gebieten engagierte internationale Gebergemeinschaft wird auf lange Sicht gefordert bleiben. Primar-, Sekundar- und Hochschulwesen sind etabliert, weisen aber gravierende Defizite auf. Seit der Abschaffung der Schulgebühren für den Primarschulbereich 1994 ist die Schülerzahl stark angestiegen, ohne dass eine entsprechende Ausweitung der finanziellen Ressourcen, der Schulraumkapazität und der Anzahl der Lehrer möglich war. Folge ist eine drastische Verschlechterung des Lehrniveaus. Erwachsenenbildung / Civic Education und praktische Berufsausbildung sind zur Festigung der noch jungen Demokratie bzw. für die wirtschaftliche Entwicklung unabdingbar. Verbreitete HIV-Infektion und hohe AIDS-Sterberaten machen zusätzlich einen erheblichen Teil der Anstrengungen zunichte, insbesondere wenn ausgebildetes Personal wie Lehrer, Ärzte und Manager im produktivsten Alter davon betroffen sind.
Gesundheit
In Ländern wie Malawi oder auch Mosambik gibt es weniger als 30 Pflegende auf 100 000 Einwohner. In den ländlichen Gebieten sind es sogar nur deren 15. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt ein Verhältnis von 100 zu 100 000.
Die Anzahl der Mütter, die während der Schwangerschaft oder bei der Geburt ihres Kindes sterben (pro 100.000 Lebendgeburten) liegt bei 1.100 (2007). Zum Vergleich: In Deutschland ist es nur eine von 19.200 Frauen, die während der Schwangerschaft oder im Kindbett stirbt. Die Rate der HIV/AIDS-Infektionen ist mit 11,9 Prozent (der 15-49 Jährigen; 2007) seit 1995 auf hohem Niveau relativ konstant.
Hinweis: Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird routinemäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. [Stand: Juli 2009 | Ausführlichere Informationen über Malawi erhalten Sie auch auf der Homepage des Auswärtigen Amtes und auf den Seiten des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung]