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Malawi

Interview

CLSS-Schuldirektor Rabson Mpinganjira im Gespräch: „Der beste Absolventenjahrgang seit Bestehen“

Die Christian Liebig Sekundarschule, das erste Projekt der CLS in Malawi, überzeugte in diesem Schuljahr mit tollen Ergebnissen. Die beste Absolventin ist ein Mädchen. Aktuell unterrichten 20 Lehrkräfte rund 360 Jugendliche, das Verhältnis Mädchen und Jungen ist fast ausgeglichen. Bis auf die 70 jungen Frauen, die im Wohnheim leben, kommen die Schüler aus der Umgebung täglich zum Unterricht. Auf die diesjährige Erfolgssquote von 82,2 % kann Rabson Mpinganjira, seit Anfang 2016 Direktor der Schule, mehr als stolz sein. Wir haben uns mit ihm unterhalten.

Schuldirektor Rabson Mpinganjira mit Beatrice von Keyserlingk

Schuldirektor Rabson Mpinganjira mit Beatrice von Keyserlingk

CLS: Warum sind Sie Lehrer geworden? Wie ist Ihr Bildungsweg verlaufen?
Rabson Mpinganjira: Ich hatte schon immer eine Leidenschaft fürs Unterrichten. Jugendlichen Wissen zu vermitteln, Ihnen dabei zu helfen, das Beste aus sich herauszuholen, und sie auf ihrem Weg zu gebildeten Erwachsenen zu begleiten, das sind meine Antriebskräfte. Damit leiste ich auch einen Beitrag zur Entwicklung meines Heimatlandes. Um dieses Ziel zu erreichen, musste ich hart arbeiten. Und ich musste viel lernen, um die Sekundarschule abzuschließen und an der Uni studieren zu können. Die Christian Liebig Secondary ist meine siebte Schule. Ich wünsche mir, aus dieser Bildungseinrichtung ein Zentrum mit akademischem Spitzenleistungen zu machen, um die Ziele zu erreichen, die sich die CLS mit dem Bau gesetzt hat.

Helfen die Spenden aus Deutschland, das Leben an der Schule zu verbessern?
Nachhaltige Unterstützung wie die tägliche Schulspeisung ist ein großer Segen, denn viele Kinder kommen ohne Frühstück zum Unterricht. Aber auch die gut ausgestattete Bücherei hilft beim Vertiefen des Lernstoffs – die Abschlussergebnisse in diesem Jahr sprechen da für sich. Besonders hervorheben möchte ich das Wohnheim für Mädchen und die Mitfinanzierung von Stipendien: für viele junge Frauen wäre ohne dieses Angebot die Schullaufbahn viel früher zu Ende.

Wie läuft ein normaler Schultag ab?
Der Unterricht findet von 7.30 bis 14.15 Uhr statt, unterbrochen von zwei Pausen. Die Schüler kommen aus der Umgebung und sind bereits bis zu einer Stunde früher da, um die Klassenzimmer zu säubern und alles vorzubereiten. Nur die Mädchen aus dem Wohnheim sind durchgehend auf dem Schulgelände. Die Nachmittage verbringen die Schüler mit Sport und abends wird zusätzlich gelernt. Unsere Lehrer unterrichten meist zwei verschiedene Fächer, das ist vergleichbar mit Deutschland.

Wie können wir uns den Unterricht vorstellen – unterrichtet ein Lehrer alles oder haben Sie für jedes Fach andere Pädagogen?
Unsere Lehrkräfte sind, wie in Deutschland auch, speziell in einem oder zwei Fächern ausgebildet. Das können Mathematik und Naturwissenschaften sein oder auch Sprachen und Geisteswissenschaften.

In Europa bestimmt nach wie vor die Debatte um die so genannte “Flüchtlingskrise” die Medien. Wie interpretieren Sie die Lage?
Ich denke, die Regierungen in Europa sollten sich vor allem auf gezielte und direkte Entwicklungsmaßnahmen in den betroffenen Krisengebieten selbst konzentrieren. Sie sollten versuchen, die Lebensqualität und die Sicherheit vor Ort zu verbessern und sich bemühen, polititsche und wirtschaftliche Stabilität zu etablieren. Dies kann auf unterschiedliche Weise geschehen: durch Unterstützung in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Landwirtschaft, Infrastruktur und Industrie, aber ebenso durch gezielte Investitionen im Land und verantwortungsvoller Regierungsführung.

Was würden Sie noch verbessern wollen?
Die Sekundarschule ist wirklich großartig ausgestattet und es macht mir sehr viel Freude, hier zu unterrichten und meinen Teil zu einer besseren Ausbildung unserer Jugend beizutragen. Viele Dinge sind in Malawi sehr teuer geworden, darunter leidet zum Beispiel auch die vom Ministerium zur Verfügung gestellte Ausstattung der Schule mit Lehrmaterial, das Equipment in Computerraum oder Labor. Eine Versammlungshalle, weitere Lehrerhäuser, ein Schultransportsystem und Kontinuität bei der Wasserversorgung wären zusätzlich wünschenswert. Hier sind private Initiativen und Spenden natürlich eine großartige Hilfe.

Herr Mpinganjira, wir bedanken uns für das Gespräch!
Auch ich möchte mich ausdrücklich bei der CLS und allen Spendern für dieses wundervolle Geschenk an diese Gemeinde im Süden Malawis bedanken.

Das Interview wurde per E-Mail geführt.


Foto: Christian-Liebig-Stiftung e.V.